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Nikolai Alexandrowitsch Berdjajew

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  1. Auszug aus dem Buch "Das Ich und die Welt der Objekte. Eine Philosophie der Einsamkeit und Gemeinschaft." von Nikolai Berdjajew. I. DAS ICH UND DIE PERSÖNLICHKEIT. — INDIVIDUUM UND PERSÖNLICHKEIT. — PERSÖNLICHKEIT UND DING. — PERSÖNLICHKEIT UND OBJEKT. Das Problem der Persönlichkeit ist das Grundproblem der existentiellen Philosophie. ... Fortsetzung
  2. Jakob Böhmes Lehre von Ungrund und Freiheit. Von Nikolai Berdjajew, Clamart. (Einzig berechtigte Übersetzung von Hans Ruoff.) Jakob Böhme ist als der größte unter den christlichen Gnostikern anzuerkennen. Das Wort "Gnosis" gebrauche ich hier nicht im Sinne der Heresien [sic] der ersten christlichen Jahrhunderte (1), sondern im Sinne eines Wissens, das auf Offenbarung beruht und sich nicht der Begriffe, sondern der Symbole und Mythen bedient; im Sinne eines schauenden, und nicht eines diskursiven Wissens. ... Fortsetzung
  3. Nikolai BerdjajewDie Weltanschauung Dostojewskijs, PDFNikolai A. Berdjajew, eine hervorragende und eigenartige Erscheinung im russischen Geistesleben, ist der bedeutendste Vertreter der zeitgenössischen religiös-philosophischen Bewegung in Rußland, die mit Dostojewskij und Wladimir Ssolowjow beginnt. Diese Bewegung wird zuweilen als „neues religiöses Bewußtsein“ oder „Neuchristentum“ charakterisiert, ist dabei aber so eng mit der griechischen Orthodoxie verknüpft, daß sie als schöpferische Bewegung innerhalb der christlichen Religion aufgefaßt werden muß. ...  Berlin-Steglitz, Mai 1924. W. E. Groeger.
  4. Russische Religionsphilosophie (mit weiteren Originaltexten in deutscher Übersetzung)

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  1. Stellungnahme zu Klaus Bambauers († 14.05.2002) Beitrag „Offenbarung, Sprache und Bewusstsein“ nach Nikolai Berdjajew im Kontext gegenwärtiger Religionsphilosophie“ (verfasst von Dirk Hübner am 19. Februar 2002) – Hier eine Untersuchung der Stellungnahme mittels Google AI
  2. Ethik und Metaphysik – Gedanken zu Helmut Walthers Homepage „Der Kreisbogen der Metaphysik“ (verfasst von Dirk Hübner am 12. Dezember 2001) (KI-Analyse: Kurzfassung und vollständig)
  3. NOTES ALONG THE WAY – The books and articles of Nicholas Berdyaev. The new authorized version of the former “Berdyaev Online Bibliotek”, created by the late Fr. Stephen Janos.
  4. Russische Religionsphilosophie (mit weiteren Originaltexten in deutscher Übersetzung)
  5. Nikolai Alexandrowitsch Berdjajew (Николай Александрович Бердяев) –     Bücher und Artikel (Originaltexte)
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01.

Rezension zu Wahrheit und Offenbarung von Nikolai Berdjajew (hrsg. von Gertraude und Klaus Bambauer) – mit kritischen Bemerkungen zu Ken Wilber
(4. Juni 2001)

Für mich persönlich ist das Werk Nikolai Berdjajews die philosophische Entdeckung schlechthin! Dazu hat insbesondere die Herausgabe von „Wahrheit und Offenbarung“ beigetragen. Dieses Buch stellt nach meinem Ermessen eine vorzügliche Einführung in das Werk Berdjajews dar. Ausgehend von diesem Buch habe ich auch viele seiner anderen Werke gelesen und war immer wieder aufs Neue begeistert! Abgesehen von „Wahrheit und Offenbarung“ sind seine schon früher in deutscher Sprache erschienenen Bücher zurzeit nicht im Buchhandel erhältlich. Das bedauere ich aufrichtig! Denn für mich ist Berdjajews Denken von unverzichtbarer Aktualität im ganzheitlich-prophetischen Sinne. Noch nie habe ich beim Lesen einer philosophischen Abhandlung diese Tiefe und geistige Klarheit, diese geistig lebendige Authentizität eines Autors wahrnehmen können wie bei Nikolai Berdjajew.
(Ein weiteres Buch von Nikolai Berdjajew „Versuch einer eschatologischen Metaphysik“, Spenner-Verlag Waltrop 2001, ist gerade neu erschienen. – Dirk Hübner, 19.4.01)
„Wahrheit und Offenbarung“ beginnt mit einer Einführung, in der zunächst versucht wird, den Weg N. Berdjajews in biographischer und philosophischer Hinsicht in groben Zügen nachzuvollziehen. Dabei wird N. Berdjajews Sicht und Denken in Beziehung zu den Denkern seiner Zeit und zum philosophischen Denken überhaupt gestellt, und dies gelingt entsprechend dem begrenzten Umfang dieses Buches meines Erachtens hervorragend. Besonders erwähnenswert in diesem Zusammenhang sind die vielen prägnanten Zitate aus den anderen Werken Berdjajews selbst, durch die man zumindest ansatzweise einen Einblick in sein umfangreiches, schöpferisches Schaffen bekommt.
Im Großen und Ganzen finde ich die Bemerkungen der Herausgeber und deren Auswahl aller Zitate, auch der anderen Autoren verschiedener Ausrichtungen, vor allem hinsichtlich des Zusammenhanges, sehr treffend. Hinter den vielen Querverweisen und wohl bedachten Zitaten habe ich immer deutlich die Sympathie und die Achtung gespürt, mit der die Herausgeber dem Denken N. Berdjajews gerecht werden wollten. Die aufrichtige Mühe, die auf dieses bedeutungsvolle Buch verwandt wurde, erkenne ich dankbar an!
Ich habe „Wahrheit und Offenbarung“ bereits ein drittes Mal gelesen. Und dies tat ich wiederum mit Begeisterung. Ich bin auch beim Lesen der anderen mir zugänglichen Werke Berdjajews jedoch nie zu dem Schluss gekommen, dass er nach Georg Koepgen der „Gefahr der Einseitigkeit erlegen“ ist, indem er „die gnostische Haltung zur allein gültigen machen will und die ganze Welt und ihre Geschichte unter diesen Aspekt stellt“ (zitiert aus „Wahrheit und Offenbarung“ (hartmut spenner waltrop, 1998, S. 334). Oberflächlich betrachtet kann man zu diesem Schluss kommen. Aber in der Tiefe hat Berdjajew die Wahrheit niemals isoliert als etwas Absolutes dargestellt. Die Wahrheit war für ihn immer ganzheitlich, ein Akt zur Ganzheit hin, die mit dem Postulat des absoluten Menschen als Mikrokosmos engstens verbunden war. Eine gnostische Haltung sollte immer eine sinngebende, wertebestimmende Haltung sein. Und so gesehen ist sie das Höchste, das göttliche Prinzip, durch das diese ganze Welt und ihre Geschichte erst einen Sinn erhält. Der Mensch steht in dieser Beziehung immer im Mittelpunkt. Und wo denn sonst sollte sich das existentielle Zentrum befinden, wenn nicht im Menschen?! Ohne das existentielle Zentrum wäre der Mensch absolut motivationslos und handlungsunfähig. Ich bin überzeugt, dass die Offenbarung der Wahrheit das höchste dynamische Prinzip, die höchste wahrnehmbare Qualität darstellt, das heißt aber nicht, dass die Welt dadurch verneint wird – ganz im Gegenteil. Ich denke, so sah das auch Berdjajew. Und darüber hinaus bin ich auch nicht der Ansicht von Koepgen, dass für Berdjajew z. B. die Dogmen nur exoterische Bedeutung haben usw. Auf Seite 230 von „Wahrheit und Offenbarung“, 1998, schreibt Berdjajew dazu: „Aber es wäre unwahr zu sagen, dass Dogmen nur eine pragmatische und ethische Bedeutung hätten, wie die Modernisten gelegentlich behaupteten. Dogmen sind von mystischer Bedeutung, und die endgültige Wahrheit ist mehr in der Mystik als in der Dogmatik zu finden. Dogmen beinhalten immer einen gewissen Grad von Objektivation.“ Für mich zumindest bedeutet das, dass Berdjajew eben nicht nur die objektivierte, exoterische Seite der Dogmen sieht, sondern insbesondere auch deren mystische, esoterische Seite versteht, die für ihn wesentlicher ist.
Der Einseitigkeit erlegen ist dagegen eher schon Ken Wilber, auf den in diesem Buch auch Bezug genommen wird. Und ich behaupte, dass er von Berdjajew weiter entfernt ist, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Meines Erachtens sind zwischen Berdjajew und Ken Wilber nur oberflächlich betrachtet einige Übereinstimmungen zu erkennen. Vom Grunde her jedoch stehen sie sich beide in ihren Ansichten eher diametral gegenüber. Während Wilber zum Beispiel einerseits von der Evolution des Selbst spricht und andererseits einen absoluten Geist postuliert, verstrickt er sich dadurch in jeglicher Hinsicht in unlösbare Probleme. Wilbers Denken ist diesbezüglich sehr widersprüchlich, es ist letzten Endes statisch und neigt zur Weltabgewandtheit. Eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Wahrheit im personalistisch-existentiellen Sinne kommt bei ihm überhaupt nicht vor. In diesem Punkt und in vielen, vielen anderen erfasst er nicht die wahrhaftige Tiefe, die immer nur ausgehend vom und im Bezug zum ganzheitlich-göttlichen Menschen verstanden werden kann. Nikolai Berdjajews ganzheitliches Denken dagegen ist nach meinem Dafürhalten inspiriert von wahrhaftig authentischer, göttlich-menschlicher Qualität; es ist der freie Mensch in der wahrhaft geistigen Gemeinschaft, nach dem und nach der er sich sehnt. Es ist ferner von Interesse, dass die Auffassungen Ken Wilbers, beispielsweise dargelegt in seinem Werk „Das Wahre, Schöne, Gute“ (Frankfurt am Main, Wolfgang Krüger Verlag, 1999), bei eingehender Betrachtung zum einen in gewisser Hinsicht den von ihm ausgewählten Zitaten von Berdjajew (vgl. S. 211/212 „Wahrheit und Offenbarung“, 1998) widersprechen bzw. zum anderen interpretativ in seine eigene Theorie integriert werden, wie es teilweise in seinem Buch „Halbzeit der Evolution“ (Frankfurt 1996, S. 361ff) geschieht – wobei der Gottes- bzw. Geistesbegriff bei Berdjajew, meiner Auffassung nach, eine andere Konnotation aufweist als bei Wilber: „Zur absoluten Einheit mit Gott gelangt man nicht durch Verzicht auf das Prinzip der Person, sondern durch Versenkung in die geistige Tiefe der Person, die sich antinomisch mit der Einheit verbindet“ (in N. Berdjajew: Wahrheit und Offenbarung, S. 212 unten). Zu K. Wilbers Buch „Das Wahre, Schöne, Gute“ habe ich kritische Gedanken geäußert. Diese findet man im Beitrag „Eine Kritik zu Ken Wilbers Buch ‚Das Wahre, Schöne, Gute‘“. Dieser Beitrag soll noch fortgesetzt werden. Ich habe viele Bücher von K. Wilber teilweise mit Begeisterung gelesen. Diese Begeisterung hat sich insbesondere nach der Begegnung mit Berdjajews Werk doch eher abgekühlt.
Ich habe diesen Beitrag im Sommer des Jahres 2000 ursprünglich als eine Art Rezension zu „Wahrheit und Offenbarung“ geschrieben (siehe auch amazon.de).

Dirk Hübner, 04. Juni 2001


02.

Rezension zu: Nikolai Berdjajew, Versuch einer eschatologischen Metaphysik (hrsg. von Gertraude und Klaus Bambauer, Waltrop: Hartmut Spenner, 2001)
(07. Oktober 2003)
 
Berdjajew philosophierte vom Zukünftigen, von seinem eschatologischen Grundempfinden her, und entwickelte dabei seine außergewöhnlichen prophetischen Fähigkeiten. Berdjajew war ein Mensch, dem ein unbestechliches Gespür für die Tragik des Lebens eigen war.
Er fühlte sich intuitiv der ewigen Wahrheit und der Freiheit, dem „Ding-an-sich“ (Kant), verpflichtet und gelangte von hier aus zu den elementarsten Fragen des Lebens: dem Sinn der menschlichen Existenz und des menschlichen Zusammenlebens, der Stellung des Menschen in der Welt und seiner Beziehung zu ihr. Berdjajew verleugnete seine russische Herkunft nicht. Er fühlte sich vielmehr vom Grunde her dem tiefen russischen Geist verpflichtet und verband diesen auf geniale Weise mit den verschiedensten geistigen Strömungen der Welt, wozu insbesondere auch die deutsche Philosophie und die deutsche Mystik zählten.
„Eschatologische Metaphysik“ ist ein existentiell-philosophisches Denken, welches die Vormachtstellung der irdisch-notwendigen Welt bekämpft und die Abhängigkeit von dieser Welt zurückdrängt und der freiheitlich-ethisch-religiösen Intuition den Anspruch auf reale, d. h. authentische Wahrheit zurückerstattet. Im Mittelpunkt steht der Mensch als gottmenschliche Persönlichkeit, als religiös-gemeinschaftliches Wesen.
Nach Berdjajew muss die Befreiung des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit fehlschlagen, wenn der Mensch nicht begreift, dass Freiheit sich nicht in Folge einer dialektischen Notwendigkeit zwangsweise ergibt, wie Hegel dies dachte. Der Mensch muss sich gegen die Notwendigkeit behaupten und diese letztlich durch geistige Freiheit, die einer qualitativ andersartigen Seinssphäre angehört als das Reich der Notwendigkeit, überwinden.
Der Sinn des Lebens, der Sinn der Geschichte ist nur dann gegeben, wenn die Geschichte ein Ende hat, wenn die endliche Notwendigkeit durch die ewige, d. h. geistige Freiheit schöpferisch überwunden werden kann hin zu einem gänzlich neuen Leben gemeinschaftlicher, gottmenschlicher Wahrheit. Dies ist eine der Kernaussagen Berdjajews. Ein endloses Geschehen unserer beschränkten, rein diesseitigen Reproduktion und Neuerschaffung von Gegenständen und Hilfsmitteln, die unentwegte Veräußerlichung unserer geistigen Fähigkeit zum Zwecke eines sinnlosen Fortschritts in den Grenzen der sichtbaren Welt zermürben den Menschen und untergraben seinen Anspruch auf geistige Würde. Die Geschichte muss ein Ende haben im eschatologischen Sinne. Der eschatologische Ausblick auf ein Ende soll uns bewusstmachen, dass die Wahrheit nur dort Wirklichkeit werden kann, wo unser menschliches Wesen authentisch angesiedelt ist – im Göttlichen, im gottmenschlichen Gewissen, in der geistigen Freiheit. „Eschatologische Metaphysik“ ist ein Aufruf an jeden Menschen zu authentischer Wahrheit, die das Leben von Grund auf ändern würde im Sinne der Liebe – der Bestimmung des Menschen.
„Versuch einer eschatologischen Metaphysik“ wurde von Berdjajew 1941 vollendet und ist eines seiner reifsten Werke.
Ich bin allen Beteiligten und insbesondere den Herausgebern Gertraude und Klaus Bambauer sehr dankbar, dass sie durch ihre wertvolle Arbeit die Rezeption dieses wichtigen Buches auch im deutschsprachigen Raum ermöglichten!

Dirk Hübner, 07. Oktober 2003

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