'5 nach 12' wurde LAPSUS LIVE 1999 uraufgeführt.
(C) by Regina Gorsleben und Dirk Hübner. Alle Rechte vorbehalten.
(Moderatorin hinter der Bühne.)
Regie: Frau Sabinsen, noch
5 Minuten bis zur Sendung!
Sabinsen: 5 Minuten? Oh Gott, oh
Gott, ich werde wahnsinnig, ich werde irre! Und wie ich aussehe! Mein
Gott, Michelle Liebling, siehst du denn nicht, wie meine Nase
glänzt?! Mit deinem Scheiß-Make-up machst du mich 10 Jahre älter!
Ich hab' doch sonst nicht solche Falten! Ja, bist du denn wahnsinnig,
Darling?! Du kannst mir doch nicht 3 Minuten vor'm Auftritt einen
Pickel ausdrücken! Bin ich denn hier nur von Amateuren umgeben? Und
hab' ich nicht tausend Mal gesagt, daß diese Brunhilde angeblich von
ihrem Mann geschlagen wird und nicht die Psychologin?! Schminkt
dieser Möchtegern-Psychologin sofort diesen ekelerregenden Bluterguß
weg! Reicht es denn nicht, daß mir der Intendant seine
untanlentierte Rotzgöre in die Sendung geschleust hat? Oh nein,
jetzt muß ich auf's Klo! Ausgerechnet! Michelle-Darling, du mußt
schon mitkommen, sonst schaffen wir das nicht! ...
(Klospülung)
Regie: Noch 1 Minute bis zur Sendung! Frau Sabinsen bitte auf
die Bühne!
Sabinsen: Gott, verdammte Scheiße,
Michelle-Darling, mach' mir sofort das Klopapier aus dem Gesicht! Was
soll das heißen, sonst hört der Pickel nicht auf zu bluten, wer hat
ihn denn ausgedrückt?! Mach' ordentlich Puder rauf, ich muß jetzt
auf die Bühne!
Regie: Frau Sabinsen, bitte sofort auf die
Bühne, die Sendung beginnt!
Sabinsen: Ja, ja, ohne mich läuft
hier eh nix!
Regie: Und hier ist sie: Die unvergleichliche Nr.
1 der ostvorpommerschen Unterhaltungsindustrie: die Starmoderatorin
Christiane Sabinsen!
Showmelodie "Show me, show me, talk
me, talk me"
Elvira (geht auf die Bühne): Oh man, wann
fängt das denn endlich an? Mir ist so langweilig!
Regie
(schiebt sie hektisch von der Bühne): Was machst du denn hier?!
Elvira: Das sag' ich alles meinen Papa! (geht ab)
(Sabinsen
kommt auf die Bühne, stolpert dabei fast über Elvira - Beifall.)
Sabinsen: Danke, danke, entzückend! Meine sehr geehrten Damen
und Herren, ich heiße sie ganz herzlich in diesem reizend-rustikalen
Ambiente von Neustrelitz willkommen.
Regie: Zarnekla.
Sabinsen: (leise) Wen interessiert das schon! - (laut) Also,
meinetwegen, in Zarnekla. Auch heute begrüßen wir 5 liebe Gäste in
unserer Talkshow, und ich kann ihnen versprechen, daß es neben
heiterer Plauderei, bunten Schlagermelodien und viel Wissenswertem
auch wieder viel Leidvolles und Tragisches zu genießen gibt. Und
hier sind unsere bezaubernden Gäste: Applaus für die Psychologin
Frau Dr. (Blick auf die Tischkarte) Frommfreud-Jungreich!
(Brunhilde
H. wird auf die Bühne geschubst - blaue Flecken etc.)
Sie sind
die Psychologin? (irritiert)
Brunhilde: Mein Mann schlägt mich
immer!
Regie: Wir fangen mit Brunhilde H. an!
Sabinsen:
Warum sagt mir das denn niemand! Wir begrüßen natürlich Frau
Brunhilde H. ganz genauso herzlich. Frau Brunhilde ist Hausfrau und
wird seit 20 Jahren von ihrem Mann auf brutalste Weise geschlagen.
Schrecklich, nicht? Nehmen sie Platz ... Da doch nicht! (Knufft sie
auf den richtigen Stuhl.) Können sie nicht lesen?! Regie, kommt
jetzt die Psychologin?
Regie: Ja, natürlich!
Sabinsen:
Ich frag' ja nur! Also: Beifall für die berühmte Psychologin Frau
Dr. (Tischkarte) Frommfreud-Jungreich!
(Psychologin setzt sich
neben Brunhilde, rückt angewidert etwas weiter, schluckt zittrig
Tabletten.)
Frau Dr. Frühfreud-Lammfromm ...
Psychologin
(genervt): Frommfreud-Jungreich!
Sabinsen: Ja, natürlich - ...
hat sich auf die Tiefenanalyse von Schlagertexten spezialisiert. Und
das kann sie heute life vorführen, denn wir erwarten im Laufe der
Sendung einen berühmten Schlagerstar. Mehr wird noch nicht verraten.
Doch zunächst Bühne frei für Pfarrer Schmeiß-Fliege.
(Schmeiß-Fliege setzt sich.) Sie kennen alle das Motto, das ihn zur
Kultfigur gemacht hat: "Reichtum schändet nicht!" Und
"rechnet but not least", wenn sie mir dies kleine Wortspiel
gestatten wollen: Das Rechenwunderkind Elvira; sie kennt das
Einmaleins so gut wie andere das ABC.
Elvira: Aber nur bis 5!
Sabinsen: Einfach genial! - Und nun setz' dich ganz brav neben
den Herrn Pfarrer!
Elvira: Ich will nicht neben der
Scheißfliege sitzen!
Sabinsen: Reizend! (drückt dabei Elvira
auf den Sitz) Nachdem unsere Gäste nun Platz genommen haben, will
ich mich zunächst Frau Brunhilde zuwenden.
(Brunhilde schaut
ängstlich umher, merkt nicht, daß sie dran ist.)
Frau
Brunhilde! (stößt sie an)
Brunhilde: Aua!
Sabinsen: Nun
seien sie mal nicht so empfindlich! Sie müssen doch sonst ganz
andere Sachen einstecken! - Frau Brunhilde, woher nehmen sie
eigentlich den Mut, mit ihrem Problem an die Öffentlichkeit zu
gehen?
Brunhilde: Sie haben doch gesagt, daß ich 200 Mark
dafür kriege!
Sabinsen: Ja, ja, darum geht es hier jetzt doch
gar nicht. Ich meine: Es ist doch möglich, daß ihr Mann diese
Sendung sieht?
Brunhilde: Nein, nein, um diese Zeit schläft er
immer seinen Rausch aus. Er wird immer erst so um Viere wach. Dann
trinkt er einen und dann schlägt er mich so gegen Fünf.
Sabinsen:
Entsetzlich! Und das jeden Tag?!
Brunhilde: Da könn'se die Uhr
nach stellen. Pünktlich ist er ja, das muß man ihm lassen. Nur
Sonntags schläft er 'ne Stunde länger und schlägt mich 'ne Stunde
später. Da hab' ich dann mehr Zeit für den Haushalt.
Psychologin:
Und wenn sie einfach kurz vor 5 das Haus verlassen? Ich habe es so
oft erlebt, daß die Leute auf die einfachsten Lösungen nicht
kommen.
Brunhilde: Doch, doch, das hab' ich schon versucht.
Aber da wurde er schrecklich unleidlich, und sonst ist er immer so
zufrieden, wenn er mich geschlagen hat.
Sabinsen: Ja, dann
allerdings ... - Ah, wie ich gerade höre, haben wir bereits den
ersten Anrufer zu ihrem Problem, Brunhilde. Es hat sich ein Herr
Walter K. aus ihrem Heimatort gemeldet. Ach, und das finde ich ganz
reizend: Er hat von ihrem Unglück gehört und bietet ihnen an, alle
Arztkosten für sie zu übernehmen, wenn sie montags bis freitags von
8 bis 16 Uhr zu ihm putzen kämen!
Brunhilde: Ach, da wäre ich
ja auch rechtzeitig wieder zu Hause!
Sabinsen: Das ist doch
einen Applaus wert, denke ich! - Regie, Applaus!
Elvira: Ich
will jetzt nach Hause. Der 4. Teil von "Ocean Girl" fängt
gleich an!
Sabinsen: Einfach süß. Doch wenden wir uns jetzt
dem Entertainer, Rennfahrer und Pfarrer Schmeiß-Fliege zu. In ihrem
neuesten Buch "Lieber reich und gesund als arm und krank"
stellen sie die ungeheuer originelle These auf, daß Jesus heute
einen Mercedes fahren würde.
Psychologin: Das glauben sie
wirklich?
Pfarrer: Frau Dr. Frühreif-Frommfroh, äh -
Frommjung-Freudreich, äh ... (schaut irritiert auf ihr Schild)
Psychologin: Frommfreud-Jungreich! (schaut verwirrt auf ihr
Schild)
Pfarrer: Natürlich ist das nicht wörtlich zu
verstehen.
Psychologin: (erleichtert) Ach so. (schluckt
Tabletten)
Pfarrer: Es könnte genauso gut ein BMW oder ein
Porsche sein. Oder ein roter Ferrari, wie ich ihn fahre. Das neuste
Modell: 12-Zylinder V-Motor, 380 PS, 300 Spitze mit goldenem
Amaturenbrett, Aschenbecher aus Platin, Minibar, versilbertem
Kondomspender.
Sabinsen: Aber Herr Pfarrer!
Pfarrer: Ich
bin halt viel unterwegs! Sie kennen doch den Spruch des weisen
Salomo: Wer mit mir nicht verkehrt, ist den Taler nicht wert.
Psychologin (empört): Aber Jesus würde doch nie im Leben mit
so einer Angeberkarre umherfahren!
Pfarrer: Frau Dr.
Strohdumm-Neureich, auf jeden Fall würde Jesus was tun, nicht
rumsitzen. Schon damals konnte er 12 Mitarbeiter um sich scharen,
auch wenn ein Wirtschaftsspion dabei war - Judas. Unser Heiland hatte
einfach das Zeug zum Unternehmer! Wie clever es z.B. von ihm war,
sein Kreuz patentrechtlich schützen zu lassen!
Sabinsen: So
hab' ich das noch gar nicht gesehen!
Elvira: Oh man, jetzt
fängt "Ocean Girl" an!
Sabinsen: So aufgeweckt! -
Pfarrer Schmeiß-Fliege, erzählen sie uns doch noch von ihrer
letzten Afrikareise!
Regie: Düdeldüdelüd! (Handy klingelt -
alle schauen den Pfarrer an.)
Pfarrer (nimmt Handy aus dem
Jacket): Schmeiß-Fliege ... Ja ... Hm, das ist jetzt ein bißchen
ungünstig. Ich bin in einer Talkshow ... Ja, life - im Lapsus-TV ...
Achso ... Ja ... Du, da mach doch bitte einen späteren Termin aus,
ja? ... Ja ... Okay ... Bis dann. Tschüß, du.
Wie war noch
mal ihre Frage?
Sabinsen: Erzählen sie uns doch bitte von
ihrer letzten Afrikareise.
Pfarrer: Lassen sie mich eines
vorausschicken: Ich hätte natürlich genug Geld, da mal locker 'ne
Million rüberzureichen, um dort Hunderte von diesen Negern vor dem
sicheren Hungertod zu bewahren. Aber wem wäre damit wirklich
geholfen? Die Leute dort müssen endlich kapieren, daß wir im Westen
sie nicht ewig mit durchfüttern können. Und wir können ja auch
nicht überall bomben ...
Sabinsen: Ja leider ...
Pfarrer:
Deshalb stand meine Vortragsreise dort unter dem Motto: Hilf dir
selbst, dann hilft dir Gott!
Sabinsen: Es ist wirklich toll,
was sie alles für die Armen tun!
Regie: Der Besitzer des roten
Ferrari mit der Nummer HH 666 wird gebeten, sich im Parkhaus
einzufinden. Der Wagen wurde laut Augenzeugen von Obdachlosen
aufgebrochen und demoliert.
Pfarrer: Was?! Diese dreckigen
Flohkiepen, wenn ich die kriege! Schlimmer als die Kanacken! Ich muß
da sofort hin!
Sabinsen: Aber Herr Pfarrer, wir sind auf
Sendung! Sie können hier nicht einfach weg!
Pfarrer: Ja, haben
sie denn nicht zugehört? (stürzt los)
Sabinsen: Tja, wen Gott
ruft, den darf man nicht aufhalten!
Elvira: Oh man, "Ocean
Girl" ist gleich zu Ende! Krieg' ich
wenigstens ein Eis?
Sabinsen: Entzückend! - Ich glaube, dies ist der richtige
Zeitpunkt für unsere erste musikalische Darbietung. Wir erfüllen
damit Brunhilde ihren größten Herzenswunsch, sie darf hier und
heute life ihr Lieblingslied singen. Es ist der Erfolgstitel von
Ramona, und er lautet ... (knufft Brunhilde)
Brunhilde:
(überglücklich) "Mein Mann schlägt mich immer!" - Oh
Gott, darf ich wirklich?
Sabinsen: Bitte, Brunhilde, das ist
ihr großer Moment!
Brunhilde: (singt mit Mikrophon - Playback
Lied:
"Mein Mann schlägt mich immer
mitten ins Gesicht, zwo, drei, vier.
Mein Mann schlägt
mich immer,
und ich mag das nicht, oh nein, nein.
Mein Mann schlägt mich immer,
mal hier und auch mal
dort.
Doch heute, da schlägt er mich nicht,
denn heute bin ich fort.
Ja heute, da schlägt er mich
nicht,
denn heute bin ich fort.
Mein Mann
schlägt mich immer ...
(Lied endet mit Applaus)
Brunhilde:
Ich hätte nie gedacht, daß ich das bringe.
Sabinsen: Ah,
soeben erreicht uns noch ein Anruf für Brunhilde. Es hat sich ein
Bruno H. aus ihrem Heimatort gemeldet.
Brunhilde: Oh Gott, mein
Mann! Warum schläft er denn nicht?!
Sabinsen: Ja, und da sind
wir life mitten im Leben: Er läßt ihnen mitteilen, daß sie
pünktlich zu Hause sein sollen, sonst reißt er ihnen den Arsch auf!
Und für die 200 Lappen sollen sie gleich ein paar Öken mitbringen.
Brunhilde: Na Gott sei Dank ist er nicht böse!
Regie:
Der 5. Gast ist da!
Sabinsen: Was? Das paßt mir jetzt gar
nicht.
Elvira: Ich will ein Eis!
Regie: Soll ich ihn
wieder wegschicken?
Sabinsen: Natürlich nicht! - Meine Damen
und Herren, begrüßen sie mit
mir gemeinsam den Schlagerstar
des vergangenen Sommers: Gilbert!
(Gilbert erscheint: Arme
überm Kopf zusammen)
Gilbert: Hallo Leute!
Psychologin
(stöhnt): Oh Gott, ausgerechnet der!
Elvira: Es ist so
langweilig! (stößt mit den Füßen unter den Tisch)
Sabinsen:
Drollig! - Gilbert, nehmen sie doch Platz. Wir alle erinnern uns noch
gern an ihren Hit aus dem vergangenen Sommer "Ich bin ein
grausamer Mensch" ...
Brunhilde: Das ist das Lieblingslied
von meinem Mann!
Pfarrer: Ach was.
Sabinsen: Wie
interessant. - Damals standen sie noch gemeinsam mit Gilbert auf der
Bühne, und sie schienen wie ein Herz und eine Seele. Warum haben sie
sich getrennt?
Gilbert: Also, da muß ich ganz weit ausholen
...
(Brunhilde duckt sich.)
Psychologin (völlig
genervt): Bitte nicht!
Gilbert: Als ich noch ein kleiner Junge
war, wollte ich ein Dichter werden.
Sabinsen: Vielleicht können
sie's doch ein kleines bißchen kürzer ...!
Gilbert: Als ich
1972 meine Songsingerkarriere mit dem umweltkritischen Song
"Schwarzbraun ist das Edelweiß" startete, da sang ich
zunächst gemeinsam mit Heribert. Heribert hatte damals ja bereits
seine Karriere bei den Pichelsberger Weißwürsten hinter sich ...
Sabinsen: Lieber Gilbert, es tut mir schrecklich leid, aber
unsere Sendezeit ist arg begrenzt.
Gilbert: Dann mach ich's
jetzt ganz kurz.
Psychologin (flehentlich): Ja, bitte!
(Tabletten)
Gilbert: Als ich vor 18 Jahren Gilbert während
meines Urlaubs in San
Remo kennenlernte, wie er da so an der
Bar stand mit einem Glas Tequilla in der Hand, muskulös und
braungebrannt ...
Psychologin (aggressiv): Bla, bla, bla ...
Gilbert: Aber wie sollen denn sonst die Zuschauer das
komplizierte Up and Down unserer Beziehung verstehen?
Psychologin
(aggressiv): Das verstehen sie doch selber nicht! Sie haben einfach
einen Mutterkomplex!
Gilbert: Das verbitte ich mir! Ich hatte
immer das allerbeste Verhältnis zu meiner Mutter. Ihr ist es immer
sehr gut im Heim gegangen, und sie ist stolz auf ihren Gilbi!
Sabinsen: Gilbert, wie wäre es, wenn sie uns jetzt ein Lied
zum Vortrag brächten?
Psychologin (wie gehabt): Bitte nicht!
Gilbert: Sie wissen doch gar nicht, wie es in einer
Künstlerseele aussieht!
Regie: Bitte singen sie jetzt!
Gilbert: Jetzt gerade nicht!
Regie: Entweder sie singen
jetzt oder gar nicht!
Gilbert: Also gut. (Playback - totale
Show, erst als andere Stimme kommt ist Gilbert verwirrt, irritiert,
singt dann aber tapfer weiter - Brunhilde schunkelt verzückt mit.)
Lied:
Lapsus bei Nacht,
für uns
gemacht - aha,
ein Dia kann soviel bedeuten.
Wenn
man zuhört
und auch nicht stört - aha,
dann
ist jeder Vortrag doppelt wert.
Refrain:
Wir sind
von Kopf bis Fuß
auf Lapsus eingestellt.
Ja
das ist nun mal
meine Welt - unsere Welt.
Lapsus bei Nacht,
wer hat da gelacht - oho,
das kann ja noch sehr viel bedeuten.
Doch wer
nicht hört
und uns nur stört - aha,
der ist
dieses Lapsus gar nicht wert.
Refrain: Wir ...
Lapsus bei Nacht,
wer hätte gedacht - aha,
das Blicke noch so viel bedeuten.
Ein
Lächeln, ein Wort, an diesem Ort - aha,
und deine
Einsamkeit ist fort.
Refrain: Wir ...
Sabinsen: Mein Gott, Gilbert, das ist mir aber peinlich, da hat
die Regie ausversehen ein falsches Band eingespielt ... Aber wie sie
das trotzdem hingekriegt haben!
Gilbert: Schon gut. Als
Künstler muß man halt flexible (englisch) sein! Vor 10 Jahren ist
mir was ganz Ähnliches passiert ...
Werbung 1
Regie: Und
nun die Werbung! (Musik einspielen)
(Gilbert und Brunhilde
gehen nach vorn und demonstrieren den Schlagfix nach Regieanweisung.)
Regie: Und hier ist er! Neu! Immer einsatzbereit und sofort
wirksam: Schlagfix, der neue Schlagstock mit stufenweise
verstellbarer Schlagfrequenz. Stufe 1: Wenn sie jammert, nörgelt
oder meckert ...
Brunhilde: Mein Mann schlägt mich immer ...
(Gilbert schlägt daraufhin langsam mit dem Schlagfix.)
Regie:
Stufe 2: Wenn sie laufend widerspricht ...
Brunhilde: Nein,
jetzt muß ich erst die Wäsche fertigmachen, dann kannst du mich
schlagen! (Gilbert schlägt daraufhin schneller.)
Regie: Wenn
sie nur noch nervt!
Brunhilde: Warum schlägst du mich denn
immer, schlag mich doch nicht, ich schaffe ja den Haushalt nicht
mehr! (Gilbert schlägt daraufhin sehr schnell.)
Regie: Und
jetzt ganz neu: mit Masostufe!
Gilbert: Was ist denn das?
Regie: Drücken sie einfach auf den roten Knopf! (Gilbert
drückt
auf den roten Knopf und schlägt sich daraufhin
selbst.)
Gilbert: Ja, ja, mehr! ...
Regie: Schlagfix,
damit sie auch morgen noch kraftvoll zuschlagen können!
Brunhilde:
Ach, da hab' ich was für meinen Mann zu Weihnachten, wo er sich
wirklich drüber freut. Vielleicht schlägt er mich dann nicht mehr
so oft!
Werbung 2
(mit Brunhilde und anderen)
Regie:
Werbung Nr. 2. (Musik einspielen) - Seien sie doch mal ehrlich, freut
es sie, wenn sie morgens in den Spiegel schauen und so (wie
Brunhilde) aussehen?
(Brunhilde schüttelt den Kopf.)
Und
ihre Familie, ihre Freunde und Nachbarn, mögen die das denn, wenn
sie so herumlaufen?
(Alle anderen stehen neben Brunhilde,
schauen sie an und schütteln dann gemeinsam den Kopf.)
Deshalb
gibt es jetzt das neue Make up "Fassade" von Boil de
Visage. "Fassade" verdeckt zuverlässig häßliche
Blutergüsse, eitrige Rißwunden und entstellende Schwellungen.
(Brunhilde stülpt sich Papiertüte über den Kopf.)
Sehen
sie den Unterschied?
(Alle sehen sie an und nicken - daraufhin
auch Brunhilde.) "Fassade" von Boil de Visage, denn blaue
Flecken gehören nicht in die Öffentlichkeit!
Werbung 3
Regie: Werbung Nr. 3. (Musik einspielen)
Psychologin (
erst gestreßt, dann im salbungsvollen Werbeton): Gehen ihnen
fröhlich vor sich hinsummende Mitmenschen auch so auf die Nerven?
Können sie es ebenfalls nicht ausstehen, wenn Kinder hemmungslos und
unkontrolliert loslachen? Dann empfehlen sie diesen Quälgeistern
"Stumpfosan". Oder tun sie es ihnen heimlich in den Tee. -
Stumpfosan gegen anormale Lebensfreude und ungerechtfertigtes
Glücksempfinden. Stumpfosan tötet jeden Frohsinn radikal ab und
macht so Nervensägen wieder leistungsbereit und zielorientiert. Von
allen führenden Unternehmen in Deutschland empfohlen und von mir. -
Stumpfosan und Stumpfosan rapid für Kinder - damit wir wieder
ernsthaft an die Arbeit gehen können.
(Show me, show me ...)
Sabinsen: Mein Gott, Gilbert, das ist mir aber peinlich, da hat
die Regie ausversehen ein falsches Band eingespielt ... Aber wie sie
das trotzdem hingekriegt haben!
Gilbert: Schon gut. Als
Künstler muß man halt flaxibel sein! Vor 10 Jahren ist mir was ganz
Ähnliches passiert ...
Sabinsen: Regie, das hatten wir doch
schon, könnten sie bitte mal etwas vorspulen! Danke! - Gilbert, sie
haben ja vorhin schon darauf hingewiesen, daß sie eigentlich Dichter
werden wollten.
Psychologin: Das waren doch Illusionen!
Gilbert: Nein, nein, das waren ganz ernsthafte Intonationen!
Auch heute noch verstehe ich mich eher als Lyriker denn als
Schlagersänger. Ich habe mit Entsetzen feststellen müssen, daß
mein bisher gelungenstes Gedicht "Es ist vorbei" zu einer
billigen Hitnummer verkam.
Psychologin (vorwurfsvoll): Woran
sie kräftig verdienen ...
Gilbert: Frau Dr. Altklug-Freudlos,
ich konnte doch nicht ahnen, daß dieses Lied so erfolgreich wird!
Ich würde hier gern mal demonstrieren, was dieser Text wirklich
bedeuten kann, wenn er als das vorgetragen wird, was er ist: ein
Prolem!
Psychologin (sehr betont): Poem!
Gilbert: Sie
denken natürlich dabei wieder nur an Sex. Wie in ihren Büchern! Und
so wollen sie Menschen helfen?
Brunhilde: Mein Mann sagt auch
immer, Bücher helfen nicht. Er will mich ja gar nicht schlagen. Aber
wenn er dann einen getrunken hat ...
Psychologin (ungläubig):
Liest ihr Mann denn?
Brunhilde: Nein, wann soll er auch? Er
schläft bis viere und trinkt dann einen und dann ...
Elvira:
Krieg ich jetzt ein Eis?
Sabinsen: Ein kluges Kind. Gilbert,
geben sie uns doch eine Kostprobe ihres literarischen Schaffens!
Gilbert: Aber gern - "Es ist vorbei" - Es ist vorbei
- es ist noch lange nicht vorbei - es ist vorbei - ...
Elvira:
Ist es jetzt endlich vorbei? Mir ist schlecht.
Gilbert: Nein,
es ist noch lange nicht vorbei!
Sabinsen: Wirklich
beeindruckend! Wie sind sie nur darauf gekommen?
Gilbert: Ja,
wissen sie, das hat alles mit meiner schmerzlichen Trennung von
Gilbert zu tun, aber darüber will ja keiner was wissen!
Sabinsen:
Aber Gilbert, natürlich!
Gilbert: Gilbert war gerade fort,
nach einem schlimmen Streit - es ging um Kleinigkeiten eigentlich -
ich weiß nicht mehr, ob es 200000 oder 500000 Mark waren ...
Regie:
500000 Mark!
Gilbert: Das ist doch alles so unwichtig! Aber ich
bin mir doch ziemlich sicher, daß es 200000 Mark waren. Jedenfalls
war Gilbert gerade fort, auch das kleine, süße, reinrassige
Hündchen Fifi hatte er mitgenommen, das ich ihm angeblich geschenkt
hatte ... Ja, also, ich saß allein in unserem kleinen Landhäuschen
auf Mallorca - eine Villa von 300 m² Wohnfläche mit Swimmingpool
und Orangenhain ...
Sabinsen: Aber Gilbert, sie wollten uns
doch erzählen ...
Gilbert: Aber wie soll ich ihnen denn die
Stimmung, in der ich war, sonst nahebringen? Also, ich saß allein in
unserem Schlafzimmer auf dem großen, stilechten Empirebett, über
mir baumelte träge der wertvolle Kristalleuchter, und ich vertiefte
mich in seine Schwingungen, so daß ich die Zeit auf meiner
Diamantrolex gar nicht mehr wahrnahm. Und gegen viertel nach 3
geschah es dann, sie können ruhig abfällig lächeln, Frau Dr.
Dingsda - es zeigte sich etwas Leuchtendes, Strahlendes, wie eine ...
Psychologin (schadenfroh): Zitrone?
Gilbert: Ja, endlich
verstehen sie mich!
Psychologin (freut sich diebisch,
triumphierend): Da haben wir's doch. Sie haben eine assoziative
Selbsterfahrung gemacht. Und dabei stellt die Zitrone eindeutig das
Symbol für einen regressiven Mutterkomplex dar!
Gilbert: Meine
Mutter hat nie in ihrem Leben eine Zitrone gegessen!
Sabinsen:
Meine Damen und Herren, rufen sie bitte nicht mehr an, diese Sendung
ist eine Wiederholung! - Gilbert, wir haben heute eine große
Überraschung für sie! Wir haben einen Menschen hier, von dem sie
sich im Zorn getrennt haben, mit dem sie sich aber ganz bestimmt gern
wieder versöhnen möchten.
Gilbert: Meine Mutter?!
Sabinsen:
Nein, nein, sie können ganz beruhigt sein. Es ist jemand, von dem
sie schon eine ganze Menge erzählt haben, und der heute hier Regie
führt.
Gilbert: (fröhlich auffahrend) Fifi!
Sabinsen:
Nein, es ist auch nicht Fifi: Wir begrüßen ganz herzlich bei uns im
Studio: Gilbert!
Gilbert: Gilbert!
Gilbert 2: Gilbert!
(klatschen sich lässig ab)
Gilbert: Bist du mir noch böse,
Gilbert?
Gilbert 2: Aber Gilbert, wie könnte ich.
Sabinsen:
Mir kommen die Tränen! Das ist life!
Gilbert: Hast du auch
Fifi dabei?
Gilbert 2: Nein, der ist bei mir zu Hause gut
aufgehoben.
Gilbert: Aber er gehört mir!
Gilbert 2: Du
hast ihn mir im Juli 83 zum Geburtstag geschenkt!
Gilbert: Aber
du hast im Januar Geburtstag!
Sabinsen: Das klärt sich alles
ganz gewiß nach der Sendung! Sie werden sich doch so kurz nach ihrer
Versöhnung nicht gleich wieder zanken? Noch dazu vor den Zuschauern.
Gilbert 2: Ach Gilbert, was ist so ein Hund gegen eine richtige
Männerfreundschaft. Weiß du noch Gilbert, damals, als wir unseren
großen Hit "The yellow moon of Mallorca" hatten?
Gilbert:
Ach ja.
Gilbert 2: Und du wolltest mir die 500000 Mark nicht
geben. Das waren Zeiten!
Gilbert: Es waren nur 200000, und ich
habe sie dir gegeben.
Gilbert 2: Du warst schon immer so ein
Geizkragen!
Gilbert: Ich will Fifi wiederhaben!
Sabinsen:
(jeweils an jeden gewandt) Gilbert, Gilbert, wollen sie uns nicht
lieber zum Abschluß unserer Sendung gemeinsam den neuen Hit von
Gilbert vortragen? Darüber wären wir alle so glücklich!
Elvira:
Und wann bin ich dran?
Sabinsen: Dafür reicht unsere Sendezeit
leider nicht mehr aus!
Elvira: Das sag ich alles meinem Papa!
Sabinsen: Also gut. Wieviel ist 3x3?
Elvira (nach
längerem Überlegen): 10!
Brunhilde: Richtig, mein Kind!
Sabinsen: Na ja, fast. - Meine Damen und Herren: Gilbert &
Gilbert mit dem Erfolgstitel "Du hast nichts gesagt!"
Gilbert & Gilbert singen Lied:
1. Du hast
nichts gesagt,
und ich hab' nichts gefragt,
nani,
nani ...
2. Du hast nichts gefragt,
und ich
hab' nichts gesagt,
nani, nani ...
3. Warum
solln wir nicht schweigen,
Schweigen sagt oft so viel,
reden könn' doch die andern,
man redet eh viel zu viel -
oh Baby ...
1. und 2. Strophe erneut
4. Schon
als Kind mußt ich schweigen,
hab' auch schweigen
gewollt,
denn Reden ist Silber,
aber
Schweigen ist Gold - oh Baby ...
1. und 2. Strophe erneut
(1. und 2. Strophe für mehrmaliges Mitsingen wiederholen.)
(Brunhilde erhält neben anderen die Chance, mitzusingen -
jedoch:)
Brunhilde: Mein Mann schlägt mich immer.
(dann:)
Elvira: Es ist so langweilig!
Psychologin: ... ein
regressiver Mutterkomplex!
(zum Schluß)
Sabinsen: Meine
Damen und Herren, ich hoffe, es hat ihnen auch heute wieder viel Spaß
gemacht. Wir fanden es hier in Neustrelitz jedenfalls ganz toll. Und
wir möchten uns jetzt gemeinsam von ihnen verabschieden: Bis zum
nächsten Mal! Alle: Bye, bye!
(Alle schunkeln gemeinsam
stehend nach Show me, show me.
Fifi auf die Bühne ...)
ENDE